Gut beDACHt im Sauerland
Form und Farbe eines Daches tragen entscheidend zum Charakter des gesamten Hauses bei. Um darüber hinaus auch ausreichendend Schutz zu bieten, muss es den Witterungsbedingungen angepasst, regelmäßig gepflegt und gewartet werden.
Es ist extrem wichtig, schon im Vorfeld die richtigen Entscheidungen zu treffen, denn erst ein gutes Dach macht aus den eigenen vier Wänden ein schönes und sicheres Zuhause.
In den letzten Jahrzehnten hat sich einiges getan unter unseren Dächern: Aus dunklen, staubigen Dachböden, die meist das Zuhause von Fledermäusen, Vögeln und Mäusen waren, später oft als Trocken- oder Lagerraum dienten, sind längst Dachgeschosse geworden, die oft einen erstaunlich hohen Wohnkomfort und zusätzlichen Platz bieten.
Herabstürzende Himmel oder die Geschichte des Daches
Was, wenn des Nachts Flugsaurier angreifen? Oder wenn gar der Himmel runterfällt? Ängste, die so viele tausend Jahre zurückliegen, die den Menschen vor mehr als 14.000 Jahren aber sehr real erschienen. Denn es war noch nicht so lange her, dass sie ihre Höhlen verlassen hatten und die ersten Häuser bauten. Pultdachähnliche Gebilde aus Hölzern und Stangen, bedeckt mit Fellen, Gräsern oder Heidekraut. Später waren es Grubenhäuser mit Sattel- oder Walmdächern, die bis auf den Rand der Grube reichten.
Dachtragwerke
Die Entwicklung des Daches schritt nur langsam voran. Während bei den Germanen Langhäuser mit Sparrendach üblich waren, besaßen die Römer Rofendächer mit Firstbalken. Rofen sind die geneigt verlaufenden Tragbalken in der Dachkonstruktion. Ein langer Holzbalken spannte sich von Giebel zu Giebel. Auf diesem lagen Rund- oder Kanthölzer (Rofen) auf, die unten an den Außenmauern gelagert waren. Auf den Hölzern waren Äste in einem Stangenverbund befestigt, die die Dacheindeckung
Sparrendächer haben einen stützenfreien Dachraum. Sie bestehen aus Sparrenpaaren, die mit dem dazugehörigen Deckenbalken oder dem entsprechenden Teil der Massivdecke ein unverschiebliches Dreieck bilden, die gesamte Dachlast wird dabei auf die Außenwände übertragen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde das Sparrendach vielfach durch das Pfettendach abgelöst. Die sogenannten Pfetten waren Teile zur zusätzlichen Stabilisierung. Später, ab den 1940er Jahren erlebte das Sparrendach eine Renaissance, aufgrund seiner einfachen und holzsparenden Bauweise.
Auf diesen beiden Konstruktionen, Sparren- und Pfettendach, bauten alle späteren Dachtragewerk auf. Zum Beispiel das Kehlbalkendach, das bei längeren Sparren benutzt wird: Ein horizontal liegender Balken wird zwischen die Sparrenpaare gesetzt.
Ein Hut für jedes Haus
Bei der Auswahl der Dachform hat der Hausherr die Qual der Wahl:
Unterschiedliche Dachformen – unterschiedliche Preise
Und zwar ganz schön unterschiedliche Preise. Sowohl in der Anschaffung als auch in der Wartung. Am günstigen ist zunächst das Flachdach. In der Anschaffung zumindest. Die Instandhaltungskosten, z. B. für die regelmäßige Säuberung von Schmutz und Blättern, sind allerdings höher als bei anderen Dachformen.
Durch ihre recht einfache Konstruktion sind Pult- und Satteldächer recht kostengünstig. Walmdächer sind zunächst die teuersten Dächer, aber dafür sind sie sehr robust und weisen eine hohe Stabilität auf. Die Kosten für die Instandhaltung sind – ebenso wie die für Satteldächer – sehr gering. Mit sehr hohen Kosten ist das Mansardendach aufgrund seiner aufwendigen Konstruktion verbunden.
Wer sich also nicht nur auf Geschmack verlassen möchte, sondern auch wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen muss, wird sich eher für ein Flach- oder Pultdach entscheiden.
Das Flachdach: Ein Dach, viele Vorteile
Flachdächer gab es bereits in der Antike. Dass sich dieser Stil nur schwer bei uns durchgesetzt hat, liegt wohl daran, dass sie in regenarmen Ländern leichter realisierbar sind. Zumindest war das früher so. Im 20. Jahrhundert gelangten Flachdächer auch in unseren Breitengraden zur Popularität. Man findet sie vor allem an Industriegebäuden, Schulen und Sporthallen - und in Neubaugebieten. Dort sieht man oft futuristisch anmutende, hochmoderne Stadtvillen im Bauhausstil, kubisch mit Flachdach und viel Glas.
Flachdächer sind relativ günstig, wenn es um die Kosten für Installation, Materialien, Wartung und Instandhaltung geht. Ein weiterer, großer Vorteil ist die gute Raumnutzung. Schwieriger als bei Steildächern ist die Entwässerung des Daches. Deshalb ist es hier besonders wichtig, sich einen Dachdecker zu wenden, der „sein Handwerk versteht." Flachdächer sind übrigens nicht wirklich flach, sondern haben ein Mindestgefälle, das zwei Prozent betragen sollte.
Massivdächer
Massivdächer gibt es häufiger als man denkt. Allein das klassische Flachdach wird meist damit eingedeckt. Unterhalb dessen Abdichtung und Dämmstoffschicht befindet sich eine massive Stahlbetondecke. Beim Steildach ist das Massivdach seltener. Massivdächer sind absolut luftdicht, sturmfest und haben einen hervorragenden Schallschutz.
DACHHÄUTE
Spanischer Schiefer auf Sauerländer Dächern

Wer meint, dass Sauerländer Häuser schon immer mit Schiefer abgedeckt, irrt. Noch im 18. und 19. Jahrhundert waren die meisten Fachwerkhäuser in Südwestfalen von Stroh bedeckt. Nicht ganz ungefährlich, denn zu damaliger Zeit hatten die Küchen oft eine offene Feuerstelle. Schnell kam es zu Bränden. Wenn dann auch noch Häuser dicht beieinanderstanden, kam es nicht selten zu Brandkatastrophen. Erst die Einführung einer Feuerversicherungsordnung mit ihren Bauvorschriften veränderte das Bild der Ortschaften. Neubauten durften ab 1778 nur noch mit Tonpfannen oder Schiefer abgedeckt werden. Tonlager für Dachpfannen standen in dieser Zeit kaum zur Verfügung und die Holzvorräte, zum Brennen der Tonziegel, waren knapp und damit teuer.
So begann der Siegeszug des nicht brennbaren, temperaturbeständigen, dunklen Ton-Dachschiefers.
Dachziegel
Auf vielen alten Häusern haben sich Dachziegel erhalten, denn dessen wasserundurchlässige Oberfläche schützt vor Frostschäden und ist feuerresistent. Lehm, Ton und Wasser – sind die Hauptkomponenten des Dachziegels. Lehm besitzt einen hohen Anteil an Quarz und hat eine grobe Körnung. Seine Eisenverbindungen geben dem Dachziegel die typische rote Farbe. Ton besitzt eine sehr feine Körnung und nimmt Waser sehr gut auf. Wenn er gebrannt wird, verdichtet er sich und wird zum extrem festen Dachziegel. Und – darauf wird gerade in neuerer Zeit verstärkt geachtet – das Raumklima unter einem Ziegeldach ist wegen dessen Diffusionsfähigkeit optimal. Das wussten schon die alten Römer, denn Dachziegel gibt es im Mittelmeerraum bereits seit der Antik
Von „Mönch und Nonne“ haben Sie als Bauherr sicherlich schon gehört. Das sind Tonziegel ohne Falz in verschiedenen Größen, die ineinandergreifen. Römerziegel haben eine ausgeprägte Wölbung, die besonders bei Dächern im mediterranen Stil Verwendung finden. Für ein modernes Aussehen sorgen Flachdachziegel. Auch Biberschwänze sind flach, aber an der Unterkante halbrund geformt, sie eigenen sich besonders für steile Dächer. Falzziegel werden erst seit der Industrialisierung hergestellt., mit ihnen wird weniger Material benötigt und eine schnellere Deckung ist möglich. Auch ist die Eindeckung dichter und dadurch besser gegen Sturm geschützt. Heute werden auch gern großformatige Dachziegel benutzt, die sich schnell eindecken lassen. Allerdings sind diese schadensanfälliger und bruchgefährdeter.
Dachsteine
Dachsteine gibt es erst seit Ende des 19. Jahrhunderts. Sie bestehen aus Beton und sind für Laien meist kaum von einem Dachziegel zu unterscheiden. Sie gelten ebenfalls als robust und extrem bruchfest, sind schwerer als Dachziegel, dafür aber günstiger im Preis pro Quadratmeter. Im Gegensatz zu Dachziegeln ist bei einem Betonstein die Farbauswahl größer. Die Farbpalette reicht von klassischem Rot über Kupfer, Hellgrau, Dunkelrot, Dunkelblau bis hin zu tiefem Schwarz. Das Gewicht der Dachsteine hat einen weiteren Vorteil: Sie sind gegen starken Wind unempfindlicher, wobei heute spezielle Sturmklammern helfen, die Dacheindeckung gegen Sturmschäden zu schützen.
Wenn´s ein bisschen farbig sein darf …
Welche Farbe Ihr Dach bekommen, entscheiden Sie - nicht ganz - allein. Denn es müssen selbstverständlich die örtlichen Bauvorschriften beachtet werden. Optimal ist es, wenn die Farbe des Hausdaches mit der Landschaft harmoniert. Durch Veredlungsverfahren sind sehr unterschiedliche Farbtöne möglich. Engoben und Glasuren verbinden sich beim Brennen mit den Scherben und sind deshalb sehr stabil und UV-beständig. Beim Engobieren wird Tonschlamm mit mineralischen Zusätzen aufgebracht. Dadurch entstehen matte Erdfarben. Bei Glasuren ist der Überzug aus geschmolzenem Glas, dadurch sind fast alle Farben auf der sehr glatten Ziegeloberfläche möglich. Bei Endelengoben werden die Eigenschaften beider Veredelungen verbunden. Die Oberflächen können auch bedampft werden. Durch den Sauerstoffentzug beim Brennen wird die Bildung von Eixenoxid unterdrückt, der normalerweise für die naturrote Tonfarbe sorgt. Durch die Zugabe der Dampfmittel entstehen dann anthrazitfarbene, bläuliche oder silberne Töne.
Aufkeilfenster, Dachfenster, Dachgauben


Wer seinen Dachraum nutzen will, kommt nicht umhin Fenster oder Gauben einzuplanen bzw. einzubauen. Aber wofür sich entscheiden? Schleppgaube, Spitzgaube, Satteldachgaube, Abgewalmte Sattelgaube, Trapezgaube, Rundgaube, Fledermausgaube, Hechtgaube – kommen Sie noch mit? Hier eine kleine Erklärung:
Dachfenster lassen sehr viel Licht in den neu geschaffenen Raum. Sie lassen sich schnell und einfach einbauen. Die Kosten sind vergleichsweise gering. Da weder Optik noch Statik des Hauses beeinträchtigt wird, ist auch keine Baugenehmigung erforderlich. Große Dachfenster können durch ihre Einbautiefe zusätzlich Kopffreiheit schaffen und dadurch einen Raum vergrößern.
Der Nachteil von Dachflächenfenster liegt hauptsächlich darin, dass der Wärmeentwicklung im Innenraum unerwünscht zunehmen kann. Gut im Winter, schlecht im Sommer. Also muss zusätzlich ein Licht- und Wärmeschutz eingebaut werden.
Wem es vorrangig darum geht, seinen Wohnraum zu vergrößern, der ist mit Dachgauben besser bedient, denn durch den Dachaufbau gewinnt man an Wohnfläche, kann bis ans Fenster herantreten.
Außerdem verleihen Gauben dem neuen Wohnraum Großzügigkeit und Weite. Die Dachgaube ist ein architektonisches Gestaltungselement und trägt maßgeblich zur Charakteristik des Hauses bei. In der Regel ist für den Einbau einer Gaube eine Baugenehmigung erforderlich. Gauben gibt es in unzähligen Formen und Gestaltungsmöglichkeiten. Ihr Nachteil ist, dass die Planung und der Einbau sehr komplex sind und die Kosten vergleichsweise recht hoch.
Aufkeilfenster bieten gleich mehrere Vorteile. Sie sind Gauben ähnlich und werden als keilförmiges Element auf dem Dach installiert. Sie lassen sich kippend oder schwingend öffnen – wie Dachfenster – sorgen aber für mehr Kopffreiheit.
Die Wiese auf dem Dach
Nicht erst Künstler wie Friedrich Hundertwasser hatten die Idee, Hausdächer begrünen zu lassen. Bereits 900 v. Chr. wurde im Vorderen Orient die erste Dachbegrünung angelegt. Die Römer legten gar Fischteiche auf ihren Dächern an. Grasdächer gibt es auch vielfach in Skandinavien und Island, in kälteren Regionen also, wo sie die Häuser wärmedämmen. In Deutschland kamen Dachbegrünungen erst Mitte der 70er-Jahre im größeren Umfang auf. Für ökologisch denkende Menschen stand bald nicht nur die Nutzung des Dachgrüns im Vordergrund, sondern verstärkt der ökologische Gedanke. Siedlungsentwässerung und Kläranlagen werden entlastet, da ein begrüntes Dach mehr als die Hälfte des Niederschlags wieder verdunstet und in Städten wird das Luftklima deutlich verbessert. Außerdem entstehen neue Lebensräume für Vögel, Schmetterlinge und andere Insekten, speziell auch für Bienen.
Strom aus Sonnenlicht
Neu errichtete Häuser müssen ihren Energiebedarf zu einem bestimmten Teil aus erneuerbaren Energien decken. Das schreibt das „Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz vor. Ein Gesetz, das Hausbesitzer aktiv zu Umweltschützern werden lässt und sie gleichzeitig deutlich Kosten sparen lässt – wenn sie also eine Photovoltaik- oder Solarthermie-Anlage installieren. Außerdem sind Fördergelder und günstige Kredite vom Staat möglich.
Für Photovoltaik-Anlagen lassen sich alle Dachformen nutzen. Für einen möglichst hohen Eigenverbrauch eignet sich das Walmdach am besten. Bei Anlagen mit einem möglichst hohen Energieertrag bietet sich ein Satteldach an.
Unterschiede zwischen Solarthermie und Photovoltaik:
Bei der Solarthermie geht es um die Umwandlung von Solarzellen in Wärmeenergie. Diese Wärme wird über eine Trägerflüssigkeit zu einem Speicher weitergeleitet. Dort erwärmt diese Flüssigkeit das Brauchwasser im Speicher. Photovoltaik wandelt die Strahlungsenergie der Sonne mittels Solarzellen in elektrischen Strom um. Ein Wechselrichter wandelt den Gleichstrom in Wechselstrom um. Dieser wird für den Eigenbedarf verwendet wird und kann - gegen eine fixe Vergütung - in das öffentliche Netz eingespeist werden.
Bei Schräg-, Flach oder Pultdächern gibt es verschiedene Möglichkeiten, eine Solaranlage zu installieren und sie zur Sonne auszurichten. Optimal natürlich in Richtung Süden, aber auch eine westliche oder östliche Ausrichtung ist möglich. Die Module und Kollektoren für eine Anlage werden entweder „indach“ oder „aufdach“ montiert. „Aufdach“ bedeutet, dass die Solaranlage auf die Dachziegel gesetzt und mit speziellen Halterungen fixiert wird. „Indach“ ist nur bei Photovoltaik-Anlagen möglich. Dazu wird die Dachhaut entfernt und die Anlage auf dem Dachstuhl befestigt.
Gut gedämmt = weniger Heizkosten

Die Dachform beeinflusst die energetische Bilanz nicht unwesentlich. Grob gesagt haben Dächer mit einer geringen Außenfläche die geringsten Wärmeverluste. Flach- und Pultdächer sind in dieser Hinsicht am effizientesten.
Die Wärmedämmung wird meistens genau zwischen den Sparren eingebaut. Sinn ist der Kälte-, Hitze- und Brandschutz. Die Auswahl an verschiedenen Dämmstoffen ist groß. Welcher der richtige für Ihr Dach ist, hängt sowohl vom Dämmverfahren als auch vom Preis und von ökologischen Überlegungen ab.
Sicher und sauber: Dachbeschichtung / Dachreinigung
Mit den Jahren werden auch an einem Dach Alterserscheinungen deutlich. Ton-Dachziegel oder Zementpfannen werden porös und sind von Moos überzogen. Mit einer Dachbeschichtung liegt man meist wesentlich günstiger und sie kostet weniger als die Hälfte einer Neueindeckung.
Ob eine Dachbeschichtung aber überhaupt möglich ist, liegt es aber erst einmal am Zustand der Dachpfannen und der darunter liegenden Isolierung. Oft kommt man um eine Neueindeckung nicht mehr herum. Dann, wenn z. B. die Dachpfannen deutliche Risse zeigen, Moose und Flechten bereits auf der Innenseite der Ziegel wachsen. Ist eine Versiegelung von Dachpfannen aber machbar, sind die Pfannen erst einmal für circa zehn Jahre geschützt. Die Ziegel werden dazu zunächst mit einem Hochdruckreiniger von Schmutz und Moos befreit. Anschließend erfolgt eine Grundierung, danach die Versiegelung. Und schon sieht das Dach wieder aus wie neu.
Hausbesitzer haben die Pflicht, ihr Dach regelmäßig zu warten. Schnell können Stürme und Unwetter große Schäden am Dach und an den Solaranlagen anrichten. Wer diese Pflicht vernachlässigt, riskiert bei der Gebäudeversicherung seinen Versicherungsschutz.
Dachsanierung
Auch bei guter Pflege kommt jedes Dach in die Jahre. Meist nach 50 bis 60 Jahren, manchmal auch bereits früher. Es kommt ganz darauf an, welchen Witterungsbedingungen ein Dach ausgesetzt ist. Bei einer Dachsanierung wird meist nicht nur die Dacheindeckung erneuert, sondern auch eine neue Dämmung und Unterspannbahn angebracht. Durch ihren guten Geschmack können Sie mit der richtigen Eindeckung dafür sorgen, dass ihr Haus wieder zum Hingucker wird.
Raumgewinn
Zusätzlich Wohnraum zu schaffen, kann in manchen Lebenssituationen sehr wichtig werden. Vielleicht möchte das älteste Kind endlich in Ruhe seine Freunde empfangen, quasi in seinen eigenen vier Wänden. Oder es muss ein zusätzlicher Raum her, in dem man ungestört seinem Hobby nachgehen kann. Da bietet ein Mansardendach die größten Möglichkeiten. Aber auch Satteldächer sind für den Ausbau geeignet. Grundsätzlich kann man sagen: Je höher der Kniestock (= die Mauer auf der Längsseite der Obergeschossdecke, auf die schlussendlich der Dachstuhl aufgelegt wird) - umso mehr Wohnraum steht zur Verfügung. Auch ein Flachdach kann zusätzlich genutzt werden, zum Beispiel als Dachgarten oder Dachterrasse. Das sieht nicht nur toll aus, sondern steigert auch den Wert des Hauses.
AUS DER WELT DES SPENGLERS
Beim Begriff Klempner haben die meisten Nicht-Handwerker gleich das Bild vom Heizungs- und Sanitäts-Fachmann im Kopf. Wieso bieten Dachdeckerunternehmen dann „Klempnerarbeiten auf dem Dach“ an? Das Rätsel ist schnell gelöst. Klempner und Spengler nannte man ursprünglich die blechverarbeitenden Handwerker. Bereits seit dem 17. Jahrhundert hatten eben diese Blechschmiede die Aufgabe, Dachrinnen und Regenrohren anzubringen. Teile, die sie vorher selbst gefertigt hatten.
Auch heute noch gibt es so einige Klempner- bzw. Spenglerarbeiten in luftiger Höhe zu erledigen: das Abdecken von Mauervorsprüngen, der Blechanschluss bei Dächern und Wänden, das Entwässern von Dachrinnen und Regenfallrohren, das Eindecken von Metalldächern, das Einfassen von Kaminen, Dachflächenfenstern und Gauben, das Anbringen der Blitzschutzanlage – eben alles, was mit Metall zu tun hat. Und wenn Sie sich jetzt noch fragen, wer den Wetterhahn oder die Turmspitze auf das Dach gesetzt hat: Genau, auch das war der Klempner.
Zum Schutz gegen Dachlawinen gibt es verschiedene Schneefangsysteme: Neben horizontalen Schneefanggittern kommen auch sogenannte Schneefangbalken (meist Rundhölzer) oder Schneefangrohre zum Einsatz. Zusätzlich können Schneefanghaken auf der Dachfläche verteilt werden, die den Schnee halten und damit das jeweilige Schneefangsystem entlasten.
Dach- und Giebelschmuck: Der Schlafwandler auf dem First

Ursprünglich sollte Dachschmuck die Verehrung für ein höheres Wesen ausdrücken oder Schaden abwenden. Auf Kirchen sind das Kreuze, Wetterhähne und Turmkugeln. Minarette tragen Halbmonde auf der Dachspitze und auf chinesischen Dächern sieht man häufig Löwen und Drachen.
Besonders im Barock wurde oft Dachschmuck verwendet. Typisch für diese Zeit waren Motive wie Kugeln oder Metallfähnchen, aber auch Adler, Einhorn oder Zunftzeichen. Kennzeichnend für die Gotik waren die Giebel- oder Firstblume auf der Giebelspitze.
Heute zieren oft Eulen, Hexen, Katzen und Drachen den First, aber auch ganz traditionell Hähne und Windrichtungsgeber werden am Firstziegel befestigt und mit Kunstharz verklebt. Und immer wieder auch den Schlafwandler, der auf dem Dachfirst unterwegs ist.
Das Richtfest

Sobald das Grundgerüst steht, wird das Richtfest gefeiert. Dieser Brauch lässt sich bis ins 14. Jahrhundert nachverfolgen. Die Arbeitsleistung wurde zu diesem Zeitpunkt entgeltet. Und das nicht einfach mit der Übergabe des Geldes, sondern innerhalb eines Rituals. Wenn der Richtkranz aufgesetzt ist, hält einer der Zimmerleute oder der Polier eine kurze Ansprache, den Richt- oder Zimmermannsspruch. Damit verbunden ist der Dank an den Architekten oder Bauherrn und eine Bitte um Gottes Segen für das Haus. Anschließend bekommt der Redner ein Glas Schnaps, das er am Ende des Richtspruchs vom Dach wirft. Den „letzten Nagel“ muss der Bauherr selbst einschlagen. Manchmal spielen ihm da die Zimmerleute noch einen kleinen Streich. Danach wird feucht-fröhlich gefeiert, meistens noch auf der Baustelle und mit zünftigem Bier.
Apropos zünftig: Zu einem echten Richtfest passen exquisite Speisen eher weniger. Denn die Handwerker, die zum Fest kommen, arbeiten überwiegend körperlich und brauchen deshalb – neben einem frischem Pils – etwas „Kräftiges auf die Gabel“. Kartoffelsalat mit Bockwürstchen und Frikadellen kommen bei Ihren Gästen bestimmt gut an.